Polemik knt on 29 Nov 2007 09:05 pm
Ein Essay über Verwahrlosung
Die “Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie” (GWG) hat sich für ein Verbot so genannter “Killerspiele” ausgesprochen. Die Medienkompetenz von Jugendlichen würde durch gewalthaltige Spiele nicht gefördert, vielmehr würden junge Menschen durch das Spielen solcher Titel ihr Mitgefühl verlieren.
Quelle: http://www.golem.de/0711/56270.html
Alle Generationen wieder! Die Jugend verwahrlost! Die Kinder derjenigen die schon von Ihren Eltern ob Ihrer langen Haaren, der befreiten Sexualität, der Vorliebe für “Negermusik” und Anglizsimen als Verwahrlost galten, verwahrlosen jetzt selber - diesmal allerdings Stilecht in Anglizismen durch “Media”, “Killerspiele”, im “Internet”.
Was ist Verwahrlosung?
Verwahrlosung wird im allgemeinen als ein “Verfall von Sitte und Anstand” beschrieben. Um es wertfrei auszudrücken handelt es sich um einen mehr oder weniger radikalen Wandel der Moralvorstellungen.
Wann verändert sich Moral?
Die Moral als der innere Kompas einer Gesellschaft zwischen Gut und Schlecht wandelt sich seid die Menschheitsgedenken. Sie passt sich laufend, aber besonders aufällig von Generation zu Generation der sozialen Realität an. Eine Änderung einer Moralvorstellung ist also einer REAKTION auf sich verändernde Gesellschaft.
Die Moral hat vorallem eine Schutzfunktion, die versucht durch Angleichung der individuellen Verhaltensmuster das Konfliktpotential einer Gesellschaft zu minimieren.
Welche Moral ändert sich?
Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GWG) geht von dem Wandel der Moral in einem bestimmten Verhaltensfeld aus. Es geht diesmal nicht um z.B. Sexualität, wie bei der Elterngeneration, sondern um die Moral der Gewalt.
Wie verändert sich die Moral der Gewalt?
Die GWG spricht von Verherrlichung oder Verharmlosung von Gewalttätigkeiten von einer Degeneration des Mitgefühls und einer Steigerung der Gewalttätigkeiten.
Was erzeugt die Änderung der Moral der Gewalt?
Die GWG identifiziert die “Killerspiele” als Ursache der Moraländerung. Ich dagen halte die Killerspiele lediglich für ein Symptom - und Ausdruck der sich ändernden Gesellschaft.
Unsere Gesellschaft wird zunehmen Gewalttätiger.
Die Kriege der letzten Jahrzehnte, die regelmäßige Mitleidlose Folterung und Verunmenschlichung von Menschen, die scheinbare (oder wirkliche) Irrationalität des Terrorismus, der immer größer werdende Graben zwischen Arm und Reich - mit all seinen sozialen Konflikten, und vorallem die Unfähigkeit der Gesellschaft innerhalb bestehender Moralvorstellungen Lösungen für diese lebensbedrohliche Krisen zu bieten.
Ursache der steigenden Gewaltbereitschaft sind also nicht die Killerspiele - sondern die Gesellschaft. “Schuld” ist die Welt die unsere Elterngeneration uns hinterlassen. “Schuld” ist unsere Elterngeneration.
Killerspiele in ihrer Funktion als “Moderne Kunst” rezipieren diese Änderungen “nur” und drücken sie in ihrem speziellen Medium “Computer & Internet” aus. Sie sind nur der Sündenbock - so wie der Rock’n'Roll, die sexuelle Freiheit und die Drogen der Sündenbock für die Verwahrlosung unserer Elterngeneration gewesen ist.
Man kann der Welt nicht verbieten sich zu ändern, man muß sie ändern!