Seit Jahren arbeitet Stefan Schael von der RWTH Aachen zusammen mit 500 Wissenschaftlern aus aller Welt an einem milliardenteuren Forschungsgerät. Jetzt müssen die Forscher bangen, denn die NASA hat den Transport zur ISS gestrichen.


Fotos Der Blick ins All im Juni

Weltraumforscher brauchen einen langen Atem. Seit über zehn Jahren arbeitet Prof. Stefan Schael mit seinem Team an der RWTH Aachen an einem Teilchendetektor, der energiereiche Teilchen im All aufspüren kann. Jetzt braucht Stefan Schael auch noch gute Nerven. Denn ob der Alpha Magnetic Spectrometer (AMS) wie geplant 2009 seine Arbeit auf der Internationalen Raumstation (ISS) aufnehmen kann, steht derzeit buchstäblich in den Sternen. NASA-Direktor Michael Griffin hat bei den noch verbleibenden Shuttle-Flügen zur ISS das fast 7.000 Kilogramm schwere AMS-Forschungsgerät gar nicht mehr auf seiner Liste.

Computergrafik: AMS an der ISS; Rechte: NASA
Bisher nur auf Computergrafiken Wirklichkeit: AMS an der ISS

Kein Geld mehr für das Gemeinschaftsprojekt ISS

Eine Entwicklung, die vor über zehn Jahren, als die Forscher mit ihrem Grundlagenexperiment begannen, niemand ahnte. Ein Spaceshuttle nach dem anderen startete damals ins All und es gab keinen Grund, die Zusage der NASA, das Forschungsgerät ins All zu transportieren, in Frage zu stellen. Bis zum Absturz der Columbia im Jahr 2003. Seither fliegen die Spaceshuttles nur noch sehr eingeschränkt und die NASA hat die Stilllegung ihrer Shuttle-Flotte bis 2010 angekündigt. Nur noch 15 Mal will die NASA mit den Spaceshuttles ins All starten und dabei ausschließlich die ISS fertig stellen. Hinzu kommt, dass die USA, unter ihrem Präsidenten George W. Bush, nur noch wenig Interesse am internationalen Projekt ISS zeigen. Bush erklärte vielmehr 2004, dass die USA in Zukunft den Mond und unseren Nachbarplaneten Mars erforschen wollen, wenn möglich im Alleingang. Für das Gemeinschaftsprojekt ISS soll die NASA nur noch so viel Geld wie unbedingt notwendig ausgeben. “Ob wir fliegen oder nicht, wird sich auf der politischen Ebene entscheiden”, glaubt Stefan Schael daher.

Ihr Projekt aufgeben wollen die Wissenschaftler natürlich nicht. Jetzt erst recht, sagt sich Stefan Schael, der Projektleiter des deutschen AMS-Beitrages ist: “Ein internationales Projekt von dieser Größenordnung geht wahrscheinlich nie ohne Probleme über die Bühne. Ein gewisses Durchhaltevermögen gehört dazu.” Hoffnung macht ihm die Tatsache, dass auch bei der NASA 40 Ingenieure für das Grundlagenexperiment AMS arbeiten, die ihre Arbeit bisher noch nicht einstellen mussten. So ganz hat die NASA das Projekt offenbar selbst noch nicht aufgegeben.

Spaceshuttle Atlantis; Rechte: dpa
Nur das Spaceshuttle kann AMS ins All bringen

Auf der Suche nach den großen Unbekannten im All

Mit dem AMS, wenn es einmal auf der ISS montiert sein sollte, hoffen die Physiker auf bahnbrechende Entdeckungen. “Der Detektor könnte erstmals Dunkle Materie finden und bestimmen, was sie tatsächlich ist.” Konkrete Vorhersagen seien aber schwierig, denn noch nie haben Forscher auch nur ein Teilchen von der rätselhaften Materie aufgespürt, von der sie vermuten, dass sie 25 Prozent der Gesamtenergie im Universum ausmacht.

Und noch einen großen Unbekannten, die Anti-Materie, soll das Forschungsgerät erwischen: “Damit könnten wir dann endlich die Frage beantworten, warum es uns überhaupt gibt.” Denn eigentlich, so Schael, hätten sich nach dem Urknall Materie und Anti-Materie gegenseitig vernichten müssen. “Aber vielleicht wurden sie ja räumlich getrennt und es gibt ganz Bereiche im Universum, die aus Antimaterie bestehen.”

Aufspüren wollen die Forscher die exotischen Teilchen, in dem sie ihre Ladung, Masse und Einflugrichtung bestimmen. Ein Messgerät dafür haben die Forscher am physikalischen Institut der RWTH Aachen gemeinsam mit ihren Kollegen vom Institut für Experimentelle Physik in Karlsruhe entwickelt. Deutschland übernimmt etwa fünf Prozent der Investitionskosten für das insgesamt fast 1,5 Milliarden Dollar teure Forschungsprojekt. Vergeben wurden die Gelder vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Hoffen auf einen Platz im Bauch des Shuttles

Sollte sich an den derzeitigen Plänen der NASA nichts ändern, müsste das groß angelegte Experiment tatsächlich auf unbestimmte Zeit am Boden bleiben, denn eine andere Fluggelegenheit gibt es nicht: “Das Gerät ist nur für den relativ sanften Shuttle-Start ausgelegt, ein Start in einer anderen Rakete kommt für uns aus technischen Gründen nicht in Frage”, sagt Stefan Schael. Er und seine Kollegen wollen ihre Arbeit aber auf jeden Fall zu Ende bringen: “Wir werden unser Experiment Ende 2008 am Kennedy Space Center abliefern”, sagt Schael und hofft, dass es 2009 doch noch in den riesigen Laderaum eines Spaceshuttles geladen wird.

Der Sternenhimmel im Mai

Das AMS-Experiment am physikalischen Institut der RWTH Aachen

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