Jahrelange Arbeit eines Forscherteams der RWTH Aachen schien umsonst, als die NASA ein Messinstrument einfach aus dem Flugplan der Spaceshuttles gestrichen hatte. Doch jetzt haben Stefan Schael und sein Team wieder Hoffnung.

Raumfahrt ist Politik. Das weiß Stefan Schael, Physik-Professor an der RWTH Aachen, nur zu gut. Seit dem Frühjahr mussten er seine Forscherkollegen aus aller Welt bangen, dass ihr Messinstrument nicht zur Internationalen Raumstation, ISS, transportiert wird. Die NASA hatte das fast 7.000 Kilogramm schwere Instrument, mit dem die Forscher Dunkle Materie und Antimaterie erforschen wollen, ersatzlos aus dem Flugplan gestrichen.

Computergrahik: AMS im Bauch eines Spaceshuttles; Rechte: NASA
Wenn alles klappt: Spaceshuttle bringt das Instrument ins All

Forscher machten Lobbyarbeit in Washington

Doch die 500 Forscher wollten sich nicht damit abfinden, dass ihr Instrument nutzlos am Boden bleiben sollte. Jahrelange Arbeit und 1,5 Milliarden Euro an internationalen Forschungsgeldern wären damit buchstäblich in den Sand gesetzt geworden. Sie begaben sich aufs Feld der Politik und machten Lobbyarbeit bei Senatoren und Mitgliedern des amerikanischen Kongresses. Dort konnten sie offenbar überzeugen: Die amerikanischen Kongressmitglieder, die über die Haushaltsmittel der NASA entscheiden, halten das AMS-Experiment für herausragend. Sie haben die NASA daher aufgefordert, innerhalb von neun Monaten einen Weg zu finden, wie das internationale Messinstrument doch noch zur ISS geflogen werden kann.

Computergrafik: AMS am der Internationalen Raumstation; Rechte: NASA
Computergrafik: AMS am der Internationalen Raumstation

“Politisch haben wir damit grünes Licht”, sagt Stefan Schael. Trotzdem, ganz ist AMS damit noch nicht im All. Mit Spannung wird er nun die nächsten Spaceshuttle-Flüge beobachten. Denn, und diese Devise gilt bei der NASA nach wie vor, sollte es zu gravierenden technischen Problemen mit den Shuttles kommen, werden sämtliche Flüge zur ISS vorzeitig eingestellt.

Start für 2008 geplant

Aber immerhin können Schael und seine Kollegen jetzt wieder hoffen, dass ihr Instrument eine Fluggelegenheit ins All bekommt. Mit großer Erleichterung legt die Gruppe in Aachen derzeit den letzten Schliff an ihren Strahlendetektor, den in Aachen entwickelten Beitrag zum AMS-Messinstrument. “Wir stecken gerade die Kabel an unser Instrument. Das klingt banal, ist aber sehr aufwändig. Denn erstens sind es viele Kabel und zweitens muss die Verkabelung den NASA-Normen entsprechen.” Im Oktober soll der in Aachen entwickelte AMS-Teil nach zum CERN, dem Europäischen Forschungslaboratorium für Teilchenphysik in Genf ausgeliefert werden, wo AMS zusammengesetzt wird. 2009 oder 2010, so der derzeitige Stand, geht es dann von Cape Canaveral in Florida endlich ins All.

Dunkle Materie bislang nur theoretisch nachgewiesen

Einmal an der Außenhülle der ISS angebracht, soll AMS winzige Teilchen der Dunklen Materie und der Antimaterie einfangen. Eine Sensation, sollte das gelingen, denn bislang konnte die Existenz von Dunkler Materie in unserem Universum nur theoretisch nachgewiesen werden. Ein wenig nervös ist Stefan Schael schon, wenn er an die ersten Messungen denkt. Denn niemand weiß, was AMS tatsächlich messen wird. Unberechenbar ist im Bereich der Astrophysik eben nicht nur die Politik.

Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt: AMS - Suche nach Dunkler Materie und Antimaterie von der Raumstation aus