Die ISS und auch das Spaceshuttle werden zur Zeit von zwei NASA-Astronautinnen geführt. In Europa gehört dagegen keine einzige Frau zum Astronautenteam. Die erste deutsche Frau, die ins All startet, hat ihre Reise selbst organisiert.


Fotos Der Blick ins All im November

Als sich am 26.10.2007 die Luke zwischen der Raumfähre “Discovery” und der Internationalen Raumstation ISS öffnete, trafen sich gleich zwei Chefinnen im Weltall: Die NASA-Astronautin Peggy Whitson, seit Oktober die erste Frau mit dem Kommando über die ISS, und Pamela Melroy, ebenfalls NASA-Astronautin. Sie ist die zweite Frau, die ein Spaceshuttle führt. Geplant hat die NASA die weibliche Doppelspitze im All nicht. Eigentlich hätte Pamela Melroy mit ihrem Shuttle schon zur ISS fliegen sollen, bevor Peggy Whitson dort die Leitung übernehmen sollte. Die Begegnung zweier Astronautinnen im All ist aber keine Besonderheit. Die NASA hat in den letzten Jahren einen festen Stamm von Astronautinnen aufgebaut. Immerhin 18 Astronautinnen umfasst das 91-köpfige NASA-Astronauten-Team.

Melroy und Whitson; Rechte: NASA
Shuttle-Chefin Pamela Melroy und ISS-Chefin Peggy Whitson

Zunächst blieben die Männer unter sich - fast

Der Weg für Frauen ins All war - erwartungsgemäß - lang. Schon Jahrzehnte flogen Menschen ins All, ehe Astronautinnen als Crewmitglieder, oder gar in Führungspositionen, selbstverständlich waren. Dabei begann alles vielversprechend: Schon zwei Jahre nachdem der Sowjetrusse, Juri Gagarin, als erster Mensch im All war, unternahm mit Walentina Tereschkowa, ebenfalls Sowjetrussin, die erste Frau einen Flug ins All. Sie bewies, dass Astronautinnen mit der Schwerelosigkeit nicht mehr Probleme haben, als ihre männlichen Kollegen. Um Gleichberechtigung ging es zur Zeit des Kalten Krieges jedoch nicht. Kurz nachdem die Sowjets auch den Erfolg “erste Frau im All” für sich verbuchen konnten, stellten sie ihr Kosmonautinnen-Programm ein.

Walentina Tereschkowa; Rechte: dpa
Walentina Tereschkowa war die erste Frau im All

Es dauerte fast 20 Jahre, bis 1982 als zweite Frau wieder eine sowjetische Kosmonautin, Swetlana Sawizkaja, ins All aufbrach. Ein Jahr später flog Sally Ride, die erste Amerikanerin mit einem Space-Shuttle ins All. Durch das Space-Shuttle-Programm wurde es für die NASA-Astronautinnen einfacher, für Missionen ausgewählt zu werden. Neben dem Kommandanten und dem Piloten, die das Shuttle steuern, bieten die Raumfähren Platz für bis zu sechs weitere Crewmitglieder. Diese können als Wissenschaftler und Techniker mitfliegen und brauchen keine Pilotenausbildung. Eine Qualifikation, die Frauen bisher nur selten vorweisen können. Insgesamt etwa zehn Prozent der 460 Menschen, die bis heute ins All gereist sind, sind Frauen.

ESA-Astronautenteam ohne Frauen

Soviel Gleichberechtigung wie bei der NASA sucht man in Europa vergeblich: Auf dem Gruppenfoto des ESA-Astronautenteams ist derzeit keine einzige Astronautin zu finden. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern, sagt Pascale Depré, Gleichstellungsbeauftragte der ESA: “Es ist ein langer Prozess, Frauen in die Position von Astronautinnen zu bringen.” Frauen im Astronautencorps würde sich Pascale Depré natürlich wünschen: “Es ist wichtig, dass ESA-Mitarbeiterinnen sichtbar sind und Vorbilder für junge Mädchen sein können.” Ziel der ESA sei es, beim nächsten Auswahlverfahren möglichst viele Bewerberinnen mit dabei zu haben.

Wann es zu einem solchen Auswahlverfahren kommt, kann Frank Danesy, Personalleiter bei der ESA Darmstadt und zuständig für die Astronautenrekrutierung, derzeit nicht sagen. Er kann aber erklären, wie das frauenlose Astronautenteam zustande kam: “Man muss die jetzige Situation relativieren. Es ist fünfzehn Jahre her, dass die ESA zuletzt Astronauten für das Team ausgewählt hat. Damals, 1992, wurden auch zwei Frauen aufgenommen.” Beide haben das Team jedoch in der Zwischenzeit wieder verlassen: Die Belgierin Marianne Merchez nach nur drei Jahren, ohne dass sie ins All startete. Die Französin Claudie Haigneré gehörte länger zum Astronautencorps und nahm an zwei Missionen teil. Als sie 2002 zur Wissenschaftsministerin ihres Landes ernannt wurde, verließ auch sie das Team.

“Astronauten stellen wir ja nicht alle Tage ein”, sagt Danesy, aber die ESA habe viele andere Stellen zu vergeben. Dabei sei das Interesse, möglichst viele Stellen in technischen Berufen an Frauen zu vergeben, sehr groß. Insgesamt sei der Frauenanteil bei der ESA größer, als der Durchschnitt an Hochschulabsolventinnen in den relevanten Studienfächern, wie z.B. Maschinenbau.

Erste deutsche Frau im All organisiert ihre Reise selbst

Sonja Rohde, Rechte: dpa
Frauenpower aus Deutschland: Sonja Rohde bezahlt selbst

Eine deutsche Frau ist bislang noch nie ins All geflogen. Doch auch ohne Astronautin im ESA-Team wird sich das bald ändern. Sonja Rohde, eine junge Frau aus Hagen, organisiert und bezahlt ihren Trip ins All selbst. Für 200.000 Dollar fliegt sie mit Virgin Galactic, einem Unternehmen, das private Raumflüge anbietet. Nach dem Abitur wäre Sonja Rohde tatsächlich am liebsten Astronautin geworden. Aber sie blieb am Boden und studierte Betriebswirtschaftslehre. Als sie Richard Branson, den Eigentümer von Virgin Galactic, kennenlernte, griff sie sofort zu. “Obwohl mein Weg ins All eher unkonventionell war, im Nachhinein war er goldrichtig”, sagt Sonja Rohde, die bei Virgin Galactic nach und nach die Trainingseinheiten für ihren Weltraumflug absolviert.

Der Blick ins All
Weltraumthemen bei WDR.de

Komet leuchtet 100.000-mal heller
Der Sternenhimmel im November

The European Astronaut Corps
Das ESA-Astronautenteam (auf Englisch)

NASA-Seite zur Spaceshuttle-Mission STS 120
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